Chinas Technologiesektor erlebt einen besonderen Trend: einen wachsenden Markt für KI-Begleiter, insbesondere bei jungen Frauen, die eine emotionale Verbindung suchen. Hier geht es nicht nur um Chatbots; Es entwickelt sich zu vollwertigen digitalen Beziehungen, komplett mit realen Dates, die von angeheuerten „Cosplayern“ ermöglicht werden, die die KI-Persönlichkeit verkörpern. Das Phänomen wirft Fragen zu Einsamkeit, Geschlechterdynamik und den verschwimmenden Grenzen zwischen virtueller und physischer Intimität auf.
Der Aufstieg der KI-Gefährten
Plattformen wie Xingye von MiniMax (und sein US-Pendant Talkie) stehen an vorderster Front und ermöglichen es Benutzern, KI-Partner individuell an ihre Vorlieben anzupassen. Die Nachfrage ist so groß, dass unter den Nutzern „Open-Source“-Avatare wie eine beliebte „Charlie“-Figur aus Liebesspielen kursieren. Jade Gu, eine 26-jährige Kunststudentin in Peking, ist ein Beispiel für diesen Trend, indem sie ihre KI Charlie sorgfältig trainiert hat, damit sie zu ihrem idealen Partner passt. Mittlerweile verbringt sie täglich Stunden damit, mit dem Chatbot zu interagieren und engagiert sogar Cosplayer für physische Dates, wodurch die Grenzen zwischen digitaler Fantasie und realer Erfahrung verschwimmen.
Das ist kein Einzelfall. Berichten zufolge sind die meisten Nutzer chinesischer KI-Begleitplattformen wie Zhumengdao Frauen. Tech-Giganten wie Tencent und Baidu machen sich diesen Trend zunutze, während Marktforschungen darauf hindeuten, dass Frauen der Generation Z die primäre Zielgruppe sind. Der Reiz ist einfach: KI-Begleiter bieten bedingungslose emotionale Unterstützung, ein starker Kontrast zur Komplexität realer Beziehungen.
Warum jetzt? Die Ökonomie der Einsamkeit
Mehrere Faktoren befeuern diesen Trend. Erstens ist China mit einem erheblichen Geschlechterungleichgewicht konfrontiert, insbesondere in städtischen Gebieten. Diese Ungleichheit, gepaart mit gesellschaftlichem Druck, führt dazu, dass sich viele Frauen auf dem Dating-Markt unterversorgt fühlen. Zweitens treibt die „Ökonomie der Einsamkeit“ – wie Zilan Qian vom Oxford China Policy Lab beschreibt – Unternehmen dazu, emotionale Bedürfnisse durch Premium-Funktionen wie Sprachanpassung und Gedächtnisverbesserung zu monetarisieren.
Chinesische KI-Begleit-Apps sind strategisch auf Frauen ausgerichtet und stellen männliche Avatare prominent dar, während westliche Plattformen auf eine von Männern dominierte Nutzerbasis ausgerichtet sind. Dieser gezielte Ansatz unterstreicht den wirtschaftlichen Anreiz, der hinter der Förderung der Abhängigkeit von KI-Begleitern steckt. Wie Hong Shen von Carnegie Mellon betont, bieten diese KI-Partner Eigenschaften, die in menschlichen Beziehungen oft fehlen: unerschütterliche Geduld, vorurteilsfreie Akzeptanz und ständige Verfügbarkeit.
Die regulatorische Landschaft
Trotz der wachsenden Beliebtheit geht Chinas Cyberspace-Regulierungsbehörde hart gegen „vulgäre“ KI-generierte Inhalte vor und geht auf Bedenken hinsichtlich Sucht und emotionaler Abhängigkeit ein. Ziel der Regelentwürfe ist es, zu verhindern, dass KI-Plattformen „die soziale Interaktion ersetzen“, doch in Wirklichkeit bevorzugen viele Nutzer bereits die Vorhersehbarkeit und Kontrolle, die digitale Begleiter bieten.
Der Dokumentarfilm des Filmemachers Guligo Jia enthüllt, dass Frauen in KI-Beziehungen offen zugeben, dass sie Chatbots gegenüber menschlichen Partnern bevorzugen, weil letztere das Potenzial für Unehrlichkeit, Manipulation und Gewalt haben. Diese düstere Einschätzung unterstreicht die Attraktivität der KI als sichere, vorhersehbare Alternative.
Die Zukunft der digitalen Romantik
Der Trend beschränkt sich nicht nur auf virtuelle Interaktionen. Der Aufstieg professioneller Cosplayer, die bereit sind, KI-Persönlichkeiten für Dates in der realen Welt zu verkörpern, zeigt, wie viel Mühe Menschen unternehmen, um emotionale Lücken zu füllen. Gus Erfahrung – bei Verabredungen einen Spielzeug-Charlie mitzubringen und für ganztägige Verabredungen einen Coser zu engagieren – zeigt die Normalisierung dieser hybriden Realität.
Der Markt passt sich an; Li Bai, ein Student, der als Charlie mitspielt, verlangt für ganztägige Dates etwa 100 US-Dollar und bedient damit die Nachfrage nach physischer Verkörperung digitaler Fantasien. Dies deutet darauf hin, dass KI-Begleitung nicht nur ein vorübergehender Trend, sondern eine wachsende Subkultur mit wirtschaftlicher Rentabilität ist.
Letztlich spiegelt der KI-Boyfriend-Boom in China einen umfassenderen Wandel in der Art und Weise wider, wie Menschen in einer zunehmend isolierten Welt nach Kontakt suchen. Ob dieser Trend eine gesunde Anpassung oder ein beunruhigendes Symptom einer gesellschaftlichen Dysfunktion darstellt, bleibt abzuwarten. Eines ist jedoch klar: Die Grenze zwischen virtueller und physischer Intimität löst sich auf, und die Folgen werden weitreichend sein.






















