Zillow setzt auf KI, während der Immobilienmarkt ins Stocken gerät

3

Der CEO von Zillow, Jeremy Wacksman, räumt ein, dass der Immobilienmarkt weiterhin schleppend ist und es unwahrscheinlich ist, dass es im Jahr 2024 zu einer wesentlichen Verbesserung kommt. Trotz dieser allgemeinen Stagnation in der Branche hat die Leistung von Zillow den Markt insgesamt übertroffen, obwohl die Aktienbewertung gegenüber den Höchstständen von 2021 um 75 % gesunken ist. Die Antwort des Unternehmens? Ein Vollgas-Vorstoß in die künstliche Intelligenz (KI) in allen Facetten seines Geschäfts.

KI als Zillows neue Engine

Wacksman bezeichnet KI nicht als Bedrohung, sondern als „Zutat“ für Wachstum. Das Unternehmen integriert generative KI in seine Kernfunktionen, von Suchfunktionen („Häuser in der Nähe der neuen Schule meines Kindes mit eingezäuntem Garten, unter 3.000 US-Dollar pro Monat“) bis hin zur Automatisierung von Arbeitsabläufen für Immobilienmakler. Das ist nichts Neues für Zillow, das seit langem auf maschinelles Lernen setzt – vor allem für seine „Zestimates“, die das virale Engagement fördern und Nebengeschäfte wie das Zillow Gone Wild -Franchise vorantreiben.

Riskante Innovation: SkyTours, Virtual Staging und VR-Headsets

Zillow hat viel in fortschrittliche Technologie investiert, darunter „SkyTour“, das Gaussian Splatting verwendet, um 3D-Anleitungen für Immobilien zu rendern. Es nutzt außerdem KI-gestützte virtuelle Inszenierung, um leerstehende Häuser digital einzurichten. Diese Funktionen sind zwar effektiv, werfen jedoch Bedenken hinsichtlich der Transparenz auf: Wacksman besteht auf klaren Haftungsausschlüssen für virtuelle Inszenierungen, aber das Potenzial für irreführende Darstellungen bleibt bestehen. Die Einführung von Zillow Immerse für Apple Vision Pro, das als „Zukunft der Heimtouren“ angepriesen wird, hat sich nicht gut entwickelt, was die Grenzen der neuen VR-Technologie deutlich macht.

KI für interne Effizienz

Über kundenorientierte Funktionen hinaus nutzt Zillow KI, um die interne Produktivität zu steigern. Programmierer schreiben mehr Code, der Kundensupport ist automatisiert und die Designzyklen haben sich beschleunigt – so konnte das Unternehmen trotz der jüngsten Entlassungen eine relativ flache Mitarbeiterzahl aufrechterhalten.

Die größere Bedrohung: Chatbots und Googles Ambitionen

Zillow steht vor einer existenziellen Herausforderung: Immobilieneinträge sind öffentliche Daten. Der Aufstieg KI-gestützter Chatbots droht die Zillow-App vollständig zu umgehen, da Benutzer über OpenAI oder Google direkten Zugriff auf Einträge erhalten. Zillow hat sich in OpenAI integriert, aber der Aktivierungspfad zu seiner Plattform bleibt inkonsistent.

Besorgniserregender ist das jüngste Experiment von Google in ausgewählten Städten, bei dem Einträge im Zillow-Stil direkt neben Agentenanzeigen in den Suchergebnissen angezeigt werden. Im Erfolgsfall könnte dies den Datenverkehr von Zillow weg und in das Google-Ökosystem verlagern. Wacksman tut dies als geringfügigen Werberaub ab, aber die Möglichkeit für Google, diese Daten in seine KI-Produkte (wie Gemini) zu integrieren, stellt eine langfristige Bedrohung dar. Spekulationen über eine Übernahme von Zillow durch Google sind wieder aufgetaucht.

„Wenn Käufer und Verkäufer eine Immobilienseite für Transaktionen suchen, finden sie uns“, versichert Wacksman. „Sobald sie einen virtuellen Rundgang, eine Vorabgenehmigung oder eine Agentenkommunikation wünschen, brauchen sie unsere umfassende, integrierte Erfahrung.“

Trotz der Risiken bleibt Zillow zuversichtlich, dass sein direkter Traffic und seine umfassende Plattform die Nutzer binden werden. Beim Einsatz des Unternehmens für KI geht es nicht nur um Innovation; Es geht ums Überleben in einer zunehmend wettbewerbsintensiven Landschaft.