Digitale Haftung in den VAE: Warum das Teilen eines Screenshots zu Gefängnisstrafen führen kann

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In den Vereinigten Arabischen Emiraten kann ein einziger Klick – sei es das Weiterleiten eines Videos, das Teilen eines Screenshots oder das Posten eines Memes – von einer beiläufigen Social-Media-Gewohnheit zu einer schweren Straftat werden. Während viele Nutzer glauben, dass sie auf der sicheren Seite sind, wenn sie lediglich von anderen erstellte Inhalte „reposten“ oder „teilen“, behandelt das Recht der VAE den Akt der Verbreitung mit der gleichen Schwere wie den Akt der Erstellung.

Diese rechtliche Realität wurde während der jüngsten regionalen Spannungen im Zusammenhang mit iranischen Raketen- und Drohnenangriffen deutlich sichtbar. Während sich der Konflikt physisch am Himmel entfaltete, eskalierte er auch im digitalen Bereich, was die Behörden dazu veranlasste, gegen Fehlinformationen, KI-generierte Clips und illegale Filmaufnahmen vorzugehen.

Die Eskalation von Strafen in Krisenzeiten

Das Cybercrime-Rahmenwerk der VAE ist nicht neu, aber seine Anwendung verändert sich je nach nationalem Klima dramatisch. Gemäß Bundesgesetz Nr. 34 von 2021 sind die rechtlichen Konsequenzen für Online-Fehlverhalten an den Zustand des Landes gebunden.

Der „Notfall“-Multiplikator

In Zeiten der Stabilität wird die Verbreitung falscher Nachrichten oder irreführender Gerüchte mit einer Mindeststrafe von einem Jahr Gefängnis und einer Geldstrafe von 100.000 AED geahndet. Bei Notfällen, Epidemien oder Katastrophen verdoppeln sich diese Strafen jedoch effektiv:
* Mindeststrafe: Zwei Jahre.
* Mindeststrafe: 200.000 AED.

Diese Unterscheidung ist entscheidend. Die jüngsten Konflikte schaffen keine neuen Gesetze; Vielmehr lösen sie die strengeren und risikoreicheren Bestimmungen der bestehenden aus. Für die Behörden stehen im Krisenfall die Vermeidung von Panik und die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung im Vordergrund.

Der Mythos vom „harmlosen“ Teilen

Viele Bewohner gehen davon aus, dass ihre Absicht – oder das Fehlen einer solchen – sie vor Strafverfolgung schützt. Rechtsexperten vermuten etwas anderes.

1. Die Screenshot-Falle

Screenshots werden häufig verwendet, um private Gespräche zu dokumentieren oder Streitigkeiten beizulegen. Sobald jedoch eine private Börse ohne Zustimmung geteilt wird, betritt sie einen regulierten Rechtsraum.

„Das Gesetz unterscheidet nicht zwischen formeller Veröffentlichung und informeller Weitergabe, wenn das Ergebnis das gleiche ist“, erklärt Ahmed Elnaggar, geschäftsführender Gesellschafter von Elnaggar & Partners.

Wenn ein Screenshot private Kommunikation preisgibt, den Kontext verzerrt oder den Ruf schädigt, kann die Person, die ihn geteilt hat, haftbar gemacht werden, unabhängig davon, ob sie der ursprüngliche Autor der Nachrichten war.

2. Das „Weiterleitungs“-Missverständnis

Ein weit verbreitetes Missverständnis ist, dass nur der ursprüngliche Ersteller eines Beitrags oder Videos schuld ist. Nach dem Recht der VAE ist die Neuveröffentlichung gleichbedeutend mit der Veröffentlichung. Mit der Bereitstellung der Inhalte für andere wird eine Haftung verbunden. Wenn Sie ein irreführendes Video in einer WhatsApp-Gruppe weiterleiten, beteiligen Sie sich rechtlich an der Verbreitung dieses Inhalts.

Sicher durch die digitale Landschaft navigieren

Das jüngste Vorgehen der Polizei von Abu Dhabi – zu dem auch die Verhaftung von 375 Personen wegen illegalen Fotografierens und der Verbreitung von Fehlinformationen gehörte – ist eine Warnung für alle digitalen Nutzer. In einer Zeit von KI-generierten Deepfakes und rasanten Fehlinformationen gibt es keinen Spielraum für Fehler.

Um rechtliche Komplikationen zu vermeiden, sollten Benutzer einen einzigen Goldstandard einhalten: Teilen Sie nur Inhalte, die von offiziellen, zugelassenen Behörden der VAE herausgegeben wurden.


Schlussfolgerung
In den VAE ist digitale Verantwortung eher ein gesetzlicher Auftrag als eine gesellschaftliche Anregung. Da das Gesetz die Verbreitung von Inhalten als reguliertes Mediengesetz behandelt, müssen sich Benutzer darüber im Klaren sein, dass das bloße Teilen von Inhalten die gleichen schweren Strafen nach sich ziehen kann wie das Erstellen der Fehlinformation selbst.