Das Original von „Faces of Death“ aus dem Jahr 1978 war ein Kultphänomen – ein Low-Budget-Exploitation-Film, der sich als Dokumentarfilm mit „Snuff“-Filmmaterial tarnte. Während vieles davon gefälscht war, beruhte sein Untergrunderfolg auf einer ursprünglichen menschlichen Neugier: dem Wunsch, Zeuge des Verbotenen zu werden.
Fast 50 Jahre später sind die Filmemacher Daniel Goldhaber und Isa Mazzei zu diesem Konzept zurückgekehrt. Allerdings ist ihre Neuauflage von Faces of Death nicht nur ein Horrorfilm über Killer; Es ist eine erschreckende Kritik daran, wie moderne Social-Media-Algorithmen reale Gewalt in ein konsumierbares, profitables und unausweichliches Gut verwandelt haben.
Von Underground VHS zur Infinite Scroll
Der Film handelt von Margot (gespielt von Barbie Ferreira), einer Content-Moderatorin für eine Social-Video-App. Ihr Leben wird auf den Kopf gestellt, als sie den Serienmörder Arthur (Dacre Montgomery) entdeckt, der Videos von echten Morden hochlädt, die den Szenen im Originalfilm von 1978 nachempfunden sind.
Aber der wahre Horror ist nicht nur der fiktive Mörder – es ist das Medium, mit dem er agiert. Goldhaber und Mazzei erkunden anhand des Films einen erschreckenden Wandel in der Art und Weise, wie wir Gewalt konsumieren:
- Der Tod der Kuration: In der Vergangenheit wurden Kriegsfotografie und grafische Nachrichten von menschlichen Redakteuren kuratiert, die als Pförtner fungierten. Heutzutage scannen automatisierte Bots gewalttätige Inhalte, fügen provokative Untertitel hinzu und schieben sie direkt in Benutzer-Feeds.
- Der Algorithmus des Traumas: Co-Autorin Isa Mazzei stellt fest, dass Social-Media-Algorithmen darauf ausgelegt sind, die menschliche Biologie auszunutzen. Gewalttätige Inhalte lösen eine physiologische Reaktion aus; Da ein Benutzer möglicherweise sogar einen Sekundenbruchteil länger bei einem gruseligen Bild verweilt als bei „fröhlichen“ Inhalten, lernt der Algorithmus, ihn mit mehr davon zu versorgen.
- Die Normalisierung der Angst: Durch ihre Recherche haben die Filmemacher herausgefunden, dass die ständige Konfrontation mit grafischen Bildern – von Kriegsgebieten bis hin zu politischer Gewalt – die Menschen nicht unbedingt bis zur Taubheit desensibilisiert. Stattdessen entsteht eine neue Grundlinie ständiger Angst und Entfremdung, die die Gesellschaft einfach als „normal“ zu akzeptieren beginnt.
Das Geschäft mit der Tragödie
Der Film beleuchtet eine zynische Realität des digitalen Zeitalters: Gewalt ist profitabel.
Goldhaber weist darauf hin, dass bei tragischen Großereignissen wie Massenerschießungen auf Social-Media-Plattformen ein massiver Anstieg des Engagements zu verzeichnen ist. Dieses Engagement führt direkt zu Werbeeinnahmen. Wenn Benutzer jedes Detail einer Tragödie „verschlingen“, erleben die Führungskräfte im Silicon Valley einen Anstieg an Daten und Dollars. Der Film legt nahe, dass genau die Systeme, die uns verbinden sollen, tatsächlich einen Anreiz haben, uns an den verstörendsten Inhalten zu fesseln, die möglich sind.
Der Antagonist mit den „schwarzen Pillen“.
Der Antagonist Arthur dient als Personifizierung dieses digitalen Verfalls. Von Goldhaber als „Troll mit der schwarzen Pille“ beschrieben, handelt es sich bei Arthur um eine Figur, die erkennt, dass das digitale System grundlegend kaputt ist, und beschließt, diese Zerbrochenheit auszunutzen, um Aufmerksamkeit zu erregen. Sein Mantra – „Gib den Menschen, was sie wollen“* – ist eine bissige Anklage gegen eine Kultur, die ständige, wenn auch schreckliche Stimulation erfordert.
Als Margot versucht, ihn zu jagen, wird ihr klar, dass es in ihrer Rolle als Content-Moderatorin nie darum ging, das Internet „aufzuräumen“. Es handelte sich lediglich um eine Nebelwand, die ein viel größeres, systemischeres Problem verschleierte.
Fazit: Faces of Death geht über das Horror-Genre hinaus, indem es den Fokus vom Killer auf die Plattform verlagert. Es deutet darauf hin, dass das beunruhigendste Element des modernen Lebens nicht nur die Existenz von Gewalt ist, sondern ein automatisiertes System, das menschliche Traumata aus Profitgründen sammelt und direkt in unsere Taschen steckt.






















